Der Gründungszuschuss klingt großartig: ALG I plus 300 EUR monatlich, 15 Monate lang. Aber hier ist die unbequeme Wahrheit: Die Arbeitsagentur kann ihn ablehnen. Ohne Begründung. Ohne Widerspruchsrecht.
Denn der Gründungszuschuss ist kein Rechtsanspruch. Er ist eine Ermessensleistung. Ob Sie ihn bekommen, hängt von Ihrem Sachbearbeiter, Ihrer Vorbereitung und Ihrer Argumentation ab. Und von Dingen, die Sie nicht kontrollieren können — wie dem Budget der lokalen Agentur.
Ermessensleistung
Der Gründungszuschuss ist kein Rechtsanspruch — gute Vorbereitung entscheidet
Quelle: § 93 SGB III
Warum wird der Gründungszuschuss so oft abgelehnt?
Weil die Agenturen Ermessensspielraum haben. Und weil viele Antragsteller die Spielregeln nicht kennen:
- Zu wenig Restanspruch: Sie brauchen mindestens 150 Tage Rest-ALG-I. Wer zu spät beantragt, fällt raus.
- Schwacher Businessplan: Die Arbeitsagentur will Tragfähigkeit sehen. Ein hingeworfener Plan reicht nicht.
- Keine fachkundige Stellungnahme: Sie brauchen eine Bestätigung von HWK, IHK oder einem Steuerberater, dass Ihr Vorhaben tragfähig ist.
- Vermittlung in Arbeit möglich: Wenn die Agentur Sie in eine Festanstellung vermitteln kann, hat das Vorrang vor dem Gründungszuschuss.
Das Ergebnis: Viele Gründer, die eigentlich förderberechtigt wären, gehen leer aus — weil sie nicht wissen, wie das System funktioniert.
Wie hoch ist der Gründungszuschuss?
Zwei Phasen:
- Phase 1 (6 Monate): Ihr bisheriges ALG I + 300 EUR/Monat Sozialversicherungspauschale
- Phase 2 (9 Monate): Nur noch 300 EUR/Monat — muss separat beantragt werden
Bei einem ALG-I-Anspruch von 1.800 EUR/Monat ergibt das in Phase 1: 2.100 EUR/Monat. Über 15 Monate insgesamt eine fünfstellige Summe. Nicht rückzahlbar.
Aber: Phase 2 wird nur bewilligt, wenn Sie hauptberuflich selbständig sind und intensive Geschäftstätigkeit nachweisen. Viele bekommen nur Phase 1.
Der Gründungszuschuss allein reicht selten — was fehlt?
Der Gründungszuschuss sichert Ihren Lebensunterhalt in der Startphase. Aber Ihr Betrieb braucht mehr: Maschinen, Werkzeug, Fahrzeug, Software, Werkstatt-Ausstattung. Dafür gibt es andere Programme — KfW-Gründerkredit (bis 125.000 EUR), Meistergründungsprämien (bis 25.000 EUR), BAFA-Beratungsförderung.
Die meisten Gründer beantragen den Gründungszuschuss — und vergessen den Rest. Dabei ist der Zuschuss nur ein Baustein. Das Gesamtpaket entscheidet.
Gründungszuschuss ist nur der Anfang
KfW-Kredit, Meistergründungsprämie, BAFA-Beratung, Landesförderung — für Gründer gibt es weit mehr als den Gründungszuschuss. Der Förder-Check zeigt das komplette Bild.
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Was, wenn Sie keinen Gründungszuschuss bekommen?
Dann sind Sie nicht aufgeschmissen. Der Gründungszuschuss ist nur eines von vielen Programmen. KfW 077 bietet 100 % Garantieübernahme — Ihre Bank hat null Risiko. Meistergründungsprämien gibt es in den meisten Bundesländern. Die BAFA-Unternehmensberatung fördert Gründungsberatung mit bis zu 80 % Zuschuss.
Die Frage ist nicht: Bekomme ich den Gründungszuschuss? Die Frage ist: Welche Kombination aus allen verfügbaren Programmen bringt mir den besten Start?
Häufige Fragen zum Gründungszuschuss
Kann ich den Gründungszuschuss auch ohne Arbeitslosigkeit bekommen?
Nein. Sie müssen ALG I beziehen und mindestens 150 Tage Restanspruch haben. Ohne ALG I kein Gründungszuschuss.
Was ist eine fachkundige Stellungnahme?
Eine Bestätigung von HWK, IHK, Bank oder Steuerberater, dass Ihr Geschäftsmodell tragfähig ist. Ohne diese Stellungnahme wird Ihr Antrag nicht bearbeitet.
Kann ich dagegen klagen, wenn er abgelehnt wird?
Theoretisch ja — aber Ermessensentscheidungen sind schwer anfechtbar. Besser: Gut vorbereiten, professionelle Gründungsberatung nutzen (BAFA-gefördert oder über AVGS).
Wie lange habe ich Zeit für den Antrag?
Sie müssen den Gründungszuschuss vor dem Start Ihrer Selbständigkeit beantragen. Die Selbständigkeit muss die Arbeitslosigkeit beenden.
Zählt der Gründungszuschuss als Einkommen?
Nein. Er ist steuerfrei und wird nicht auf andere Sozialleistungen angerechnet.
Stand: Februar 2026. Die Informationen dienen der Orientierung und ersetzen keine individuelle Förderberatung. Alle Angaben ohne Gewähr.