Wer eine gewerbliche Solaranlage plant und dafür einen Bankkredit zu 7 Prozent aufnimmt, hat schlicht nicht nachgefragt. Die KfW gibt dasselbe Geld für Zinssätze ab 3,88 Prozent (effektiv, Stand März 2026). Bei einer 150.000-Euro-Investition macht das über 20 Jahre einen fünfstelligen Unterschied.
Das Programm dahinter heißt KfW 270, offiziell "Erneuerbare Energien Standard". Es ist das meistgenutzte KfW-Programm für Photovoltaik in Deutschland und nach meiner Einschätzung das Schweizer Taschenmesser der gewerblichen Solarförderung: vielseitig, unkompliziert und für fast jeden nutzbar.
150 Mrd. EUR
hat die KfW seit 1990 in erneuerbare Energien investiert. KfW 270 ist das Leitprogramm für Photovoltaik und Wind.
Quelle: KfW Geschäftsbericht 2024
Was KfW 270 von Zuschüssen unterscheidet: Das Geld kommt als Darlehen zurück, nicht als Geschenk. Der Vorteil liegt im Zinssatz, der deutlich unter dem liegt, was Hausbanken für solche Investitionen aufrufen. Wer zusätzlich BAFA-Zuschüsse kombiniert, holt das Optimum heraus. Wie das geht, zeige ich unten.
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Was ist KfW 270? Das Programm kurz erklärt
Das KfW-Programm 270 "Erneuerbare Energien Standard" finanziert Anlagen zur Erzeugung erneuerbarer Energien. Photovoltaik ist die häufigste Anwendung, aber Wind, Biogas, Wasserkraft und Solarthermie fallen ebenfalls darunter.
Die Besonderheit: KfW 270 ist kein Nischenprogramm für Großkonzerne. Es steht Unternehmen jeder Größe offen, Selbstständigen, Freiberuflern, Vermietern und sogar Privatpersonen. Wer eine Solaranlage auf dem Betriebsgebäude oder einer Immobilie plant, sollte dieses Programm immer prüfen.
Das Programm läuft seit Jahren ohne größere Unterbrechungen. Die KfW hat KfW 270 auch während der Zinswende 2022 und 2023 weiter angeboten, mit angepassten Konditionen. Das zeigt: Es ist ein Dauerprogramm, kein zeitlich limitierter Topf, der plötzlich leer ist.
Konditionen 2026: Zinssatz, Laufzeiten, Tilgungsfreiheit
Stand März 2026 gelten folgende Eckdaten (Bonitätsstufe 1, beste Kondition):
- Zinssatz: ab 3,88 % p.a. effektiv (bonitätsabhängig, bis ca. 6,5 % möglich)
- Kreditbetrag: bis 150 Millionen Euro pro Vorhaben
- Laufzeit: 5, 10, 20 oder 30 Jahre wählbar
- Tilgungsfreie Anlaufphase: 1 bis 3 Jahre (je nach gewählter Laufzeit)
- Finanzierungsanteil: bis 100 % der Investitionskosten
- Bereitstellungsgebühr: 0,15 % pro Monat ab dem 13. Monat nach Kreditzusage
Der Zinssatz ist das Herzstück. Er liegt systematisch unter dem, was Hausbanken für Investitionskredite ohne staatliche Förderung verlangen. Die genaue Kondition hängt von deiner Bonität ab, die die Hausbank bewertet. Schlechte Bonität bedeutet höheren Zinssatz, aber auch dann liegt KfW 270 oft günstiger als ein freier Bankkredit.
Die Tilgungsfreiheit in den ersten Jahren ist gerade für Betriebe attraktiv, die auf die laufenden Einnahmen aus Eigenverbrauch oder Einspeisevergütung warten müssen, bis das volle Einsparpotenzial sichtbar wird.
Die KfW aktualisiert die Zinssätze täglich. Die Angabe ab 3,88 % gilt Stand März 2026. Vor deiner Antragstellung immer den aktuellen Konditionen-Rechner der KfW (Programm 270) aufrufen.
Für wen eignet sich KfW 270?
Die Zielgruppe ist bewusst breit gehalten. Antragsberechtigt sind:
- Unternehmen aller Größen: Von der Einzelhandelsfirma bis zum Mittelständler mit 500 Mitarbeitern
- Selbstständige und Freiberufler: Arztpraxis, Kanzlei, Handwerksbetrieb
- Vermieter und Wohnungsgesellschaften: Für Anlagen auf Mietobjekten
- Land- und Forstwirte: Für Anlagen auf Betriebsgebäuden
- Kommunen und gemeinnützige Organisationen: Ebenfalls förderfähig
Privatpersonen können KfW 270 für Anlagen auf Eigenheimen nutzen, aber für gewerbliche Anlagen ist das Programm besonders interessant, weil es mit steuerlichen Vorteilen kombinierbar ist.
Was nicht geht: reine Spekulationsobjekte ohne eigene Nutzung. Die Anlage muss an das Stromnetz angeschlossen oder für den Eigenverbrauch konzipiert sein.
Was wird konkret gefördert?
KfW 270 finanziert den Kauf, den Bau und die Installation von:
- Photovoltaikanlagen aller Größen (Kleinanlage auf dem Dach bis Freiflächenanlage)
- Stromspeicher in Kombination mit einer neuen PV-Anlage (Batteriespeicher)
- Netzanschlusskosten und Planungskosten
- Kombianlagen aus PV und Solarthermie auf einem Gebäude
- Repowering älterer Anlagen mit neuer Technik
Wichtig: Der Speicher wird nur gefördert, wenn er zusammen mit einer neuen PV-Anlage installiert wird. Nachrüstung eines Speichers an einer bestehenden Anlage ist über KfW 270 nicht möglich. Dafür gibt es andere Wege.
Nicht gefördert werden Instandhaltungen, Reparaturen oder der reine Ersatz einzelner Komponenten ohne wesentliche Erweiterung.
Der Antragsprozess: So funktioniert die Hausbank-Durchleitung
KfW 270 läuft nicht direkt über die KfW. Das ist der wichtigste Punkt, den viele falsch verstehen.
Der Ablauf ist folgender:
- Planung abschließen und konkrete Angebote einholen
- Hausbank aufsuchen (deine Sparkasse, Volksbank, Geschäftsbank)
- Kreditantrag stellen bei der Hausbank, die das Vorhaben prüft
- Hausbank leitet den Antrag weiter an die KfW und bürgt für deine Bonität
- Kreditzusage kommt von der KfW über die Hausbank
- DANN erst Aufträge vergeben und Bau beginnen
Schritt 6 ist kritisch: Der Bau darf nicht vor der Kreditzusage beginnen. Wer die Handwerker schon beauftragt hat, bevor die KfW zugesagt hat, verliert den Anspruch auf das Programm. Diese Regel wird regelmäßig übersehen und kostet Unternehmer bares Geld.
Die Hausbank haftet gegenüber der KfW. Das erklärt, warum manche Banken zögerlich sind oder eigene Anforderungen stellen. Im Zweifelsfall lohnt es sich, bei mehreren Banken anzufragen.
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KfW 270 ist kombinierbar, aber mit Einschränkungen. Hier die wichtigsten Kombinationsmöglichkeiten:
BAFA BEG (Bundesförderung effiziente Gebäude)
Wenn die PV-Anlage Teil einer umfassenderen Gebäudesanierung ist, kann BAFA BEG-Zuschüsse für die Gebäudekomponenten liefern, während KfW 270 den Kredit für die PV-Technik stellt. Beide Programme gleichzeitig zu nutzen ist möglich, solange nicht dieselben Investitionskosten doppelt bezuschusst werden.
EEG-Einspeisevergütung
Das EEG (Erneuerbare-Energien-Gesetz) garantiert eine feste Vergütung für eingespeisten Strom. Das ist keine staatliche Förderung im klassischen Sinne, aber eine verlässliche Einnahme, die die Kreditbedienung mitfinanziert. KfW 270 und EEG-Vergütung laufen parallel, kein Konflikt.
§7g EStG Investitionsabzugsbetrag und Sonderabschreibung
Das ist der steuerliche Turbo für kleinere Unternehmen. Wer eine PV-Anlage über KfW 270 finanziert und das Betriebsvermögen nutzt, kann über §7g EStG bis zu 50 Prozent der Investitionskosten vor der Anschaffung steuerlich abziehen (Investitionsabzugsbetrag) und nach der Anschaffung noch einmal 20 Prozent zusätzlich abschreiben. Diese Kombination aus günstigem KfW-Kredit und steuerlicher Entlastung ist für profitable Betriebe besonders wirkungsvoll.
Was nicht geht
Direktzuschüsse für dieselbe PV-Anlage von mehreren Programmen gleichzeitig sind verboten. Es gilt das Kumulierungsverbot. Die Zinsvergünstigung von KfW 270 ist kein Zuschuss und fällt daher meist nicht darunter.
KfW 270 vs. KfW 261: Was ist der Unterschied?
Diese Frage kommt in meiner Beratung ständig auf. Die Abgrenzung ist eigentlich simpel:
KfW 261 (Bundesförderung für effiziente Gebäude) fördert das Gebäude als Ganzes: energetische Sanierung, Dämmung, neue Heizung, Fenster. Wer sein Betriebsgebäude auf KfW-Effizienzhaus-Standard bringt, nutzt KfW 261. Die PV-Anlage kann dabei ein Förderbestandteil sein, aber nur als Teil des Gesamtprojekts.
KfW 270 fördert ausschließlich die Anlage zur Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien. Das Gebäude spielt keine Rolle. Wer nur eine Solaranlage installiert, ohne das Gebäude anzufassen, nutzt KfW 270.
Wer beides plant (Gebäudesanierung und PV), sollte beide Programme prüfen und klären, welche Investitionskosten jeweils zuzuordnen sind. Das ist technisch möglich, aber braucht eine saubere Trennung in den Unterlagen.
Rechenbeispiel: 80-kWp-Anlage auf einem Gewerbedach
Ein mittelständischer Betrieb aus dem Handwerk plant eine 80-kWp-Photovoltaikanlage auf seiner Produktionshalle. Die Investitionskosten liegen bei 120.000 Euro (Anlage plus Installation, ohne Speicher).
Vergleich: Hausbank-Kredit vs. KfW 270
| Hausbank (freier Kredit) | KfW 270 | |
|---|---|---|
| Kreditbetrag | 120.000 EUR | 120.000 EUR |
| Zinssatz | 6,5 % p.a. effektiv | 4,1 % p.a. effektiv |
| Laufzeit | 15 Jahre | 15 Jahre |
| Monatliche Rate | ca. 1.045 EUR | ca. 895 EUR |
| Gesamtzinskosten | ca. 68.100 EUR | ca. 41.100 EUR |
| Zinsvorteil | 27.000 EUR |
27.000 Euro Ersparnis über 15 Jahre. Das ist keine marginale Differenz, das ist ein echter betriebswirtschaftlicher Vorteil. Hinzu kommt: Die monatliche Rate liegt 150 Euro niedriger, was die laufende Liquidität des Betriebs schont.
Wenn der Betrieb zusätzlich über §7g EStG den Investitionsabzugsbetrag in Höhe von 60.000 Euro (50 % von 120.000 EUR) genutzt hat, spart er bei einem Grenzsteuersatz von 42 Prozent weitere 25.200 Euro an Steuern. Zusammen mit dem Zinsvorteil ergibt sich ein Gesamtvorteil von über 50.000 Euro gegenüber einer ungeförderten Finanzierung.
Das 80-kWp-System erzeugt jährlich etwa 70.000 bis 80.000 kWh. Bei einem Eigenverbrauchsanteil von 60 Prozent und einem Bezugspreis von 0,25 EUR/kWh spart der Betrieb zusätzlich 10.500 EUR Stromkosten pro Jahr.
Meine Einschätzung: KfW 270 ist das Schweizer Taschenmesser
Ich rate fast jedem Unternehmenskunden mit PV-Plänen zuerst zu KfW 270. Warum?
Weil es fast niemanden ausschließt. Keine Größenbeschränkung, kein Branchenfilter, kein komplizierter Effizienznachweis wie bei KfW 261. Die Anforderungen sind technisch: Die Anlage muss normenkonform installiert sein und ans Netz angeschlossen werden.
Weil die Konditionen verlässlich sind. KfW 270 läuft seit Jahren durch und hat keine radikalen Programmwechsel erlebt. Als Kreditprogramm ist es stabiler als Zuschussbudgets, die ausgeschöpft werden können.
Weil es kombinierbar ist. Steuerliche Vorteile, EEG-Vergütung, BAFA-Zuschüsse für die Gebäudeseite, das lässt sich alles stapeln.
Der einzige Haken: Die Hausbank muss mitspielen. Wer Pech hat, findet eine zögerliche Bankfiliale. Mein Tipp: Drei Banken anfragen und vergleichen. Die meisten Sparkassen und Volksbanken kennen KfW 270 gut und arbeiten regelmäßig damit.
Wenn ich einen Betrieb sehe, der eine PV-Anlage aus dem laufenden Cash finanziert, frage ich immer nach: Haben Sie KfW 270 geprüft? Die Antwort ist erschreckend oft: Nein.
Informiere dich über alle passenden Förderprogramme für deine Solaranlage in unserem Fördermittel-Guide. Wer tiefer in die KfW-Welt einsteigen will, findet in unserem KfW-Überblick alle wichtigen Programme. Speziell für PV im Gewerbebetrieb haben wir außerdem einen eigenen Ratgeber: Photovoltaik-Förderung für Unternehmen.
Häufige Fragen zu KfW 270 Photovoltaik
Kann ich KfW 270 auch als Kleinunternehmer beantragen?
Ja. KfW 270 stellt keine Mindestgröße für Unternehmen auf. Selbst Einzelunternehmer mit einer kleinen PV-Anlage auf ihrem Betriebsgebäude können das Programm nutzen. Voraussetzung ist, dass eine Hausbank den Antrag weiterleitet und die Bonität positiv bewertet.
Wie hoch ist der maximale Kreditbetrag bei KfW 270?
Bis zu 150 Millionen Euro pro Vorhaben. In der Praxis ist dieser Rahmen für gewerbliche Solaranlagen in aller Regel ausreichend. Die 150-Millionen-Grenze gilt pro Investitionsvorhaben, nicht als Gesamtlimit über alle Projekte eines Unternehmens.
Darf ich mit dem Bau beginnen, bevor die KfW zusagt?
Nein. Der vorzeitige Maßnahmenbeginn ist einer der häufigsten Fehler und führt zum Verlust der Förderberechtigung. Aufträge dürfen erst nach der schriftlichen Zusage der KfW vergeben werden. Planungsleistungen wie Gutachten und Angebote einholen sind dagegen kein Problem.
Kann ich einen Batteriespeicher über KfW 270 mitfinanzieren?
Ja, wenn der Speicher zusammen mit einer neuen PV-Anlage installiert wird. Die KfW betrachtet PV-Anlage und Speicher dann als ein Vorhaben. Wer einen Speicher nachträglich an eine bestehende Anlage anschließen will, muss andere Förderwege prüfen.
Wie kombiniere ich KfW 270 mit steuerlichen Vorteilen?
Am wirkungsvollsten ist die Kombination mit dem Investitionsabzugsbetrag nach §7g EStG. Du kannst bis zu 50 Prozent der geplanten Investitionskosten im Jahr vor der Anschaffung als Betriebsausgabe absetzen. Nach der Inbetriebnahme folgt die 20-prozentige Sonderabschreibung. Diese steuerliche Entlastung läuft parallel zum KfW-Kredit und mindert die tatsächliche Nettoinvestition erheblich.
Was passiert, wenn ich meinen KfW-Kredit vorzeitig zurückzahlen will?
Vorzeitige Rückzahlung ist bei KfW-Krediten möglich, aber in der Regel mit einer Vorfälligkeitsentschädigung verbunden. Diese Kosten solltest du kalkulieren, bevor du einen Kredit mit langer Laufzeit abschließt. Wer plant, die Anlage nach wenigen Jahren zu verkaufen, sollte die Kreditbedingungen genau prüfen.
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